ENDLICH FREI! The Texas Chain Saw Massacre – Blutgericht in Texas

Haben die Horrorfans den heutigen Tag bereits seit Dezember BLUTROT in ihrem Kalender notiert?

Habt Ihr eigentlich eine Ahnung das am heutigen Tag Filmgeschichte in Deutschland geschrieben wird?

Nein – dann unbedingt und sofort weiterlesen, den hier wird eure Bildungslücke geschlossen!

Heute erscheint erstmalig und nach über 30 Jahren Beschlagnahmung durch die deutsche Justiz, der Film „Texas Chain Saw Massacre“, deutscher Titel „Blutgericht in Texas“, offiziell und ungeschnitten in Deutschland!
Unsere österreichischen Nachbarn sind da besser dran. Bei denen ist der Film bereits seit längeren in der 35 Jahre Geburtstagsedition auf dem Markt. Die Beschlagnahmung in Deutschland machte diese VÖ bis heute absolut unmöglich!

Turbine Medien, die eigentlich auf Comedy-VÖs spezialisiert sind, haben hier ganze Arbeit geleistet. Die Kollegen haben ein Einsehen mit den deutschen Fans gehabt und eine einmalige Sonderedition veröffentlicht, die mit einer Ausstattung aufwartet, bei denen sich andere Großfirmen eine dicke, saftige Scheibe abschneiden können! Aber der Reihe nach.

Das Kettensägenmassaker ist eigentlich nichts anderes als ein typischer Teenie-Slasher Film nach dem „10-kleine-Negerlein“-Prinzip. Zum damaligen Zeitpunkt (Anfang der 70er Jahre!) was völlig Neues!

Für 5 Jugendliche endet der Ausflug durch das texanische Hinterland in den Fängen einer grausigen-sadistischen Familie, die bereits unzählige Menschen grausam umgebracht, das Menschenfleisch verspeist hat und die Haut ihrer Opfer für Lampenschirme und ähnliches Schmuckwerk benutzen. Ausgeführt werden die Morde meist von dem infantilen, riesenhaften Sohn der Familie, Thomas Hewitt. Da sein eigenes Gesicht deformiert ist, bastelt er sich neue Gesichter aus Menschenhaut – daher sein Name „Leatherface“.
Leatherface bevorzugtes Mordwerkzeug sind ein Hammer, wie ihn Fleischer beim Metzger benutzen und eine übergroße Kettensäge, mit der er seine Opfer direkt in kleine Stücke schneiden kann. Wer wird überleben … und was wird von ihnen übrig bleiben?

So und ähnlich lauteten die Werbesprüche, als der Film 1978 in den deutschen Kinos startete.

Der Film hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen langen Weg hinter sich – und der Weg sollte noch viel steiniger werden.

Bereits Anfang der 70er Jahre beschloss Tobe Hooper einen Film zu produzieren, der auf einem authentischen Kriminalfall beruhen sollte. Gemeinsam mit Co-Autor Kim Henkel entwickelten die beiden ein Drehbuch, inspiriert von dem Massenmörder Ed Gein, der seine Opfer auch verspeiste.
Während der Dreharbeiten entwickelte die Story eine Eigendynamik und man entfernte sich immer mehr von den authentischen Ereignissen. Tobe lag viel daran sein Publikum duch extreme Gewaltdarstellung zu schocken. Nach diversen Absagen von Verleihfirmen fand sich erst im Jahr 1974, bei Bryanston Pictures, geführt von Louis Peraino (New Yorker Mafiamitglied!) ein Verleiher, der den Film in die Kinos brachte. Schnell sprach sich „der schreckenerregendste Film, den es je gab“ in den Medien und beim Publikum rum.
Da der mafiageführte Verleiher keinerlei Aussagen über Einspielergebnisse etc. rausrücken wollte, überwarf man sich kurz über lang mit den Verantwortlichen. Nach einem Rechtsstreit im Jahr 1977 erhielt Hooper die Vertriebsrechte für seinen Film zurück. Kurz danach übernahm New Line Cinema die Rechte für Kinoauswertung.

Trotz diverser Filmfestspiele auf denen der Film zwischen 1975 und 1980 lief, hatte es der Film in den internationalen Kinos sehr schwer. Dank der Zensurbehörden wurde der Film zum Teil erst sehr viel später in den Kinos gezeigt, als wie es geplant war. In Großbritannien erst Ende der 90er Jahre – ausgenommen diverser Filmfestspiele).

Auch in Deutschland hatte es der Film extrem schwer. Schon für die Kinoauswertung im Jahr 1978 wurde der Film um mehrere Szenen gekürzt. Dann im Jahr 1982 der Supergau für den Film: obwohl bereits gekürzt wurde die Version indiziert und kurze Zeit später wegen „Menschenverachtung“ und „Gewaltverherrlichung“ deutschlandweit beschlagnahmt!

Es gibt zwar eine Videofassung, die ab 16 Jahren freigegeben ist aber um mehr als 10 Minuten gekürzt wurde. Ferner gibt es diverse DVD-Veröffentlichungen, die aber nie wirklich in großem Stil vertrieben wurden – in Deutschland schon gar nicht, nur im deutschsprachigen Ausland. Ich kann von mir sagen, ich habe bereits die 18er Fassung von „Blutgericht in Texas“ aus dem Hause Laser Paradise im Schrank stehen.

In Österreich erschien im Jahr 2009 eine spezielle 35Jahre Geburtstagsedition des Films auf DVD und sogar mit neu abgetastetem Bildtransfer und erstmalig im deutschsprachigen Raum, auf BluRay Disc. Der Verleiher ist hier Turbine, die sich mittlerweile die Rechte an dem Film für den deutschsprachigen Raum gesichert haben.

Und eben diese Version sollte im August 2010 vom Landesgericht in Frankfurt auch wiedermal indiziert und beschlagnahmt werden. Doch Turbine hat sich dies nicht gefallen gelassen und ein Beschwerdeverfahren eingeleitet. Endlich, im September 2011 hat das Landgericht Frankfurt zugunsten der Kläger entschieden und die langjährige Beschlagnahmung von „The Texas Chain Saw Massacre“ wurde aufgehoben.
Im Dezember 2011 wurde die Fassung vom Index gestrichen. Turbine legte den Film anschließend zur Prüfung bei der FSK vor. Hier erhielt die ungeschnittene Fassung die Kennzeichnung „Keine Jugenfreigabe“. Nach derzeit gültigem Recht kann der Film nun nie wieder in dieser Fassung indiziert, geschweige denn beschlagnahmt werden!

Für Turbine steht somit der Weg frei, den Film in Deutschland zu vermarkten.

Die Verantwortlichen haben sich die Geburtstagsedition aus Österreich vorgenommen und für den deutschen Markt nochmals optimiert.

Das Set besteht aus insgesamt 4 Discs: 1 BluRay und 3 DVDs.
Die BluRay und die erste DVD beinhaltet dabei den Hauptfilm in ungeschnittener Fassung, wahlweise in deutsch oder englisch. Parallel dazu können Audiokommentare von Tobe Hooper, Gunnar Hansen (Leatherface!) und dem Kameramann Daniel Pearl ausgewählt werden. Der Film erstrahlt hier in nie da gewesener Bildqualität. Verloren geglaubte deutsche Tonsequenzen wurden hervorragend neu synchronisiert und passen 1A in die Gesamtvertonung. Selbst das ungeübte Auge kann im direkten Vergleich zwischen der vorliegenden BluRay und DVD die qualitativen Bildunterschiede der beiden Formate ausmachen.

Auf DVD Nr. 2 befinden sich diverse Special („Shocking Truth about TCM“), Interviews, Dokumentationen, Outtakes und entfernte Szenen und jede Menge Trailer aus Kino, TV und Radio.

DVD Nr. 3 ist in dieser Zusammenstellung komplett neu und so noch nie dagewesen: Sie enthält die rare und lang gesuchte Dokumentation „A Family Portrait“ mit einer Laufzeit von gut 60 Minuten in englischer oder deutscher Sprachfassung. Diese Doku besteht hauptsächlich aus Interviews mit Beteiligten des Film, vorrangig Mitglieder der Hewitt-Familie (daher der Name) und wie die Darsteller ihre Rollen sahen und heute rückblickend sehen.
Auf der Disc befindet sich außerdem eine gut zweistündige Podiumsdiskussion über die Filmzensur in Deutschland. U.a. sitzt hier der deutsche „Schockregiesseur“ Jörg Buttgereit („Nekromantik“) auf dem Podium.
Das kurze Feature „5 Minuten Massaker“ zeigt einen kurzen Vergleich zwischen dem Original und seinem Remake aus dem Jahr 2003.
Da ich das Remake auch heute noch für einen der angsteinflössendsten Filme überhaupt halte, hätte so ein Feature auch länger ausfallen können.

Turbine plante die VÖ als Mediabook, was leider aus produktionstechnischen Gründen nicht mehr hingehauen hat. Macht aber nichts: auch als Digipack macht diese Sammleredition einiges her. Ausserdem wird der Fan mit einem 64seitigen Buch über die Zensurgeschichte des Films, Wendecover und einem Familienporträt entlohnt.

Ihr großen Studios da draussen:
Turbine hat hier megamässig was auf die Beine gestellt und eine 1a Sonderedition zu einem Stück Filmgeschichte rausgebracht. Nehmt Euch ein Beispiel daran und schaut in Eure Rechtearchive … da gibt es noch mehr Klassiker, die darauf warten veröffentlicht zu werden!

Turbine: vielen Dank für Euren Einsatz, Eure Ausdauer und Euren Mut diesen Klassiker einem mündigen Publikum verfügbar zu machen. Und das noch in so einer geilen Edition! Habt Dank!

Fotocredits: Turbine Medien GmbH

 


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