Besonderer Film-Tipp zum Wochenende: Arschkalt

Meine lieben Filmfreunde!

Es ist mal wieder kalt und nass draussen, das TV-Programm lässt Euch völlig kalt und auch die typische Videothekenkost lässt Euch das Blut in den Adern gefrieren?

Dann greift doch mal zu einer deutschen Produktion!

Da seid Ihr strikt gegen?
Oh Mann, ich hoffe ich kann Euch eines Besseren belehren! Denn selten habe ich bei einem deutschen Film so sehr lachen müssen aber auch das ein oder andere Mal schlucken müssen.

Ich rede von „Arschkalt“, dem ambitionierten neuen Film vom Nachwuchsregiesseur André Erkau.

Im Film geht es um den Einzelgänger Berg (Herbert Knaup), einem Lieferanten für Tiefkühlkost, der seine Kunden hasst, nachts nicht schlafen kann, ein Miesepeter vor dem Herren ist und alles und jeden ignorant behandelt. Früher hat er mal die Firma seines alten Herren übernommen und noch immer gaukelt er ihm den Besitz vor wenn er in einmal wöchentlich im Altersheim besuchen kommt.
Durch einen ungemein blöden Zufall und wegen der Forderung seiner neuen holländischen Chefin Lieke van der Stock (Elke Winkens), wird der Tollpatsch Moerer (Johannes Allmayer) sein neuer „Partner“. Und den wird er erst wieder los, wenn er ihn zu einem richtig guten Verkäufer gemacht hat. Ein nahezu unmögliches Unterfangen.
Doch nach und nach taut auch der eisigste Fisch auf und Berg beginnt über sein Leben und über seine Zukunft nachzudenken.

Ich bin nicht wirklich ein Freund deutscher Produktionen. Zum einen liegt es am Design, an Bildkomposition, schlechten Dialogen, die sich zu sehr nach „auswendig gelernt“ anhören oder aber an dem ewig gleichen Gesichtern der deutschen Film- und Fernsehlandschaft.
Das mag auch bei „Arschkalt“ der Fall sein und doch verhält es sich hier anders. Ich habe sofort den mies gelaunten Charakter Berg ins Herz geschlossen. Wie er mit Kunden umgeht, um seine Artikel zu verkaufen, wie er die Kollegen mißachtet oder immer einen trockenen, arroganten Spruch auf den Lippen hat, das gefiel mir einfach. Als ihm dann der Chaot Moerer zur Seite gestellt wird und damit seine Routine durcheinander gerät, macht es Spaß zu sehen wie er mit der neuen Situation umgeht.
Ausserdem sehen wir, dass Berg nicht der harte Knochen ist, der er auf den ersten Blick zu sein scheint. Er besucht regelmässig seinen alten Herren im Altersheim. Diesem gehörte eine Fabrik, die er seinem Sohn zum Antritt des Ruhestandes überlassen hat. Berg bringt es einfach nicht übers Herz seinem Vater die Wahrheit über den Verlust der Fabrik zu sagen. Nach wie vor gaukelt er ihm vor, Besitzer des gut laufenden Betriebes zu sein. Als sein Vater seinen Geburtstag in der Fabrik feiern will, steht also das nächste Problem für Berg an. Zu guter Letzt fängt es an zu knistern zwischen Berg und seiner Chefin. Damit ist das Chaos perfekt. Zum Glück ist die Situation durch die diversen Umstände absolut chaotisch – das rettet den Film vor der typisch deutschen Schnulzenmentalität der deutschen TV-Landschaft.
Herbert Knaup
verkörpert den Charakter Berg geradezu realistisch. Die Rolle scheint ihm auf den Leib geschrieben zu sein. Der Zynismus macht Riesenspaß und die Darstellung ist durch die Bank gut. Gerade auch die Beziehung zwischen Berg und seinem Vater wird glaubhaft wiedergespiegelt. Beide belügen sich gegenseitig, um den anderen nicht zu verletzen und trotzdem hatte man jederzeit das Gefühl, dass beide das Geheimnis des anderen genau kennt und hier einfach nur das Spiel mitspielt. Genau diese Szenen zwischen Vater und Sohn ließen mich das ein oder andere Mal schlucken … man sieht ja unweigerlich Parallelen zum eigenen Leben.
Der Tollpatsch, Lebenskünstler und Chaot Moerer wird gespielt von Johannes Allmayer, der dem deutschen Fernsehpublikum, trotz seines jungen Alter, aus diversen TV-Produktion bekannt sein sollte. Ausserdem spielte er eine Rolle in dem von Kritikern gelobten „Vincent will meer“. Auch Allmayer scheint die Rolle auf den Leib geschrieben zu sein. Nicht selten konnte ich mit Berg mitfühlen und hätte Moerer gerne aus dem fahrenden Auto katapultiert. Und trotz seiner Leichtigkeit oder gerade deshalb, hat auch Moerer Probleme im Leben, die auch endlich mal glaubhaft rüber gebracht werden.
Und glaubt mir: ich muss ne Menge deutschen Kram gucken, den ich nicht sehen will …
Elke Winkens als holländische Chefin der beiden war auch durchaus sympathisch anzusehen. Trotzdem glaube ich im Nachhinein, dass dieser Charakter nur eingebaut wurde, um auf ein Happy End des Filmes hinzuarbeiten. Den nach den gut 85 Minuten heißt es typisch deutsch wieder „Ende gut, alles gut“.

„Arschkalt“spielt bei im hohen Norden auf dem platten Land. Es gibt zwischendurch schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen und das niedliche Kleinbürgertum, mit allen Facetten des Lebens gibt es zu bestaunen. Das Bild der vorliegenden DVD ist dabei klar und schön scharf. Was hier besonders hervorzuheben ist: die Schauspieler wurden nicht wirklich beschönt. Es gibt kaum auffälliges Make-Up, was den Film vielleicht noch realistischer erscheinen lässt und die Personen glaubhafter macht.

André Erkau, der ja bereits mit diversen Filmpreisen ausgezeichnet wurde, hat uns hier eine schöne, jederzeit realistische Komödie über Menschen, Ihr Leben und Verhalten, Ihre Beziehung und abstruse Lebenssituation geliefert, die mit jeder Minute Spaß macht, nie langweilig oder aufgesetzt wirkt und einfach irgendwie „schön“ ist.
Mit produziert wurde der Film, neben bekannten deutschen Filmförderungen von ZDF und Arte. Den Vertrieb für die Heimkinoauswertung übernimmt hier Warner Home Video Germany

Die DVD enthält den Hauptfilm in sauberen Dolby Digital 5.1, ein Making Of mit Herbert Knaup, extrem witzige Outtakes, Kino- und TV-Trailer, das Musikvideo „Nur die Liebe lässt uns leben“, dem Titelsong des Films und zu guter Letzt ein informatives Interview mit dem Regiesseur André Erkau.

Veröffentlicht wurde der Film bereits am 30.03.2012 – gibt es also bereits überall zu kaufen oder in der Videothek Deiner Wahl!

Mannster sagt: Endlich wieder eine deutsche Produktion, die sich lohnt anzuschauen! Absolute Empfehlung! Unterstützt diese Produktion, die hat es verdient!

Für weitere Informationen gibt es
Website: http://www.arschkalt-derfilm.de/
Facebook: https://www.facebook.com/arschkaltderfilm
Youtube: http://www.youtube.com/arschkaltderfilm

Fotocredit: NFP / WÜSTE Film 2011, Marion von der Mehden


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