„Wer’s glaubt, wird selig – Salvation Boulevard“ Verdächtige Komödie direkt aus dem Himmel

Für Carl läuft alles wunderbar. Gesegnet mit einer wunderschönen Frau, dem nettesten Schwiegervater der Welt, einem schönen Häuschen und einer aufgeweckten Stieftochter ist er ein angesehenes Mitglied der „Gemeinde des dritten Jahrtausends“. Hirte dieser tollen Gemeinde ist der charismatische, immer gut gelaunte und lächelnde Pastor Dan Day. Mit ihm macht der Glaube erst so richtig Spaß und führt auf den einzig richtigen Pfad Gottes. Er ist mittlerweile sowas wie das Vorzeigeobjekt eines geläuterten Gläubigen im Kreise der Gemeinde geworden.
An dieser Tatsache können selbst hartnäckige Kritiker, die größten Neider, die ungläubigsten Ungläubigen und Bücherschreiber wie der atheistische Professor Dr. Paul Blaylock nichts ändern.
Nach einer heftigen Podiumsdiskussion werden Pastor Dan und Carl von eben diesem Professor auf einen Drink und ein Gespräch eingeladen. Dr. Paul Blaylock will unbedingt zusammen mit Pastor Dan ein Buch schreiben – eine Art „Diskussion über Religion“ in Buchform. Grundsätzlich versteht man sich hier und schon passiert’s: Pastor Dan erschießt versehentlich Professor Blaylock mit einer antiken Waffe. Genau in den Kopf – keine Chance für den armen Sünder! Und der verdatterte Carl muss alles mit ansehen.
Die Situation wird noch schlimmer, als Pastor Dan kurzerhand entschließt, die ganze Sache wie einen Selbstmord aussehen zu lassen.
Carls Glaube wird auf einer weitere harte Probe gestellt, als er am nächsten Tag seiner Frau und seinem Schwiegervater die Wahrheit erzählt. Niemand glaubt ihm, dem Ex-Deadhead!
Zu allem Übel verfolgt Pastor Dan seine eigenen Ziele und schmiedet hinterrücks eine Intrige gegen Carl und schiebt ihm die Schuld für Professor Blaylocks Tod in die Schuhe.
Ein verrücktes Katz und Maus und Hund Spiel auf dem heiligen Pfad Gottes

Schon in den ersten Minuten dieser göttlichen Komödie wird klar: hier werden die religiös-fanatisch-abhängigen Amisekten und ihre Fernsehprediger ganz gehörig auf den Arm genommen!

Pierce Brosnan haucht der Figur des Pastor Dan eine charismatische, immer stets lächelnde Ausstrahlung ein, die es in sich hat. Jederzeit nur auf sein eigenes Wohl bedacht, wickelt Pastor Dan jeden Figur um seine Finger und bringt sie auf den richtigen Pfad – immer seinen persönlichen Pfad. Und trotzdem glaubt Dan immer genau das Richtige zu tun und in Gottes Namen zu handeln. Die Rolle passt auf den Ex-Remington Steele, Ex-Bond-Darsteller wie Gottes Faust auf Teufels Auge.

Erinnert Ihr Euch an den Film „Besser geht’s nicht“ mit Jack Nicholson und Helen Hunt? Erinnert Ihr Euch da an den schwulen Künstler, der neben Malvin (Nicholson) wohnt und ganz fies vertrimmt wird? Wußtet Ihr, dass Jack Kinnear für diese Rolle mit dem Oscar nominiert wurde? Oder könnt Ihr Euch noch an den waghalsigen Hubschrauberpilot aus „Wir waren Helden“ erinnern?
Jack Kinnear fällt nicht immer auf, bleibt aber irgendwie doch immer im Gedächtnis. Er ist einfach ein guter Schauspieler ohne die großen Starallüren seiner vielen Mitstreiter. Ich freue mich immer wieder wenn ich ihn sehen darf. Da ist eine gute Charakterdarstellung vorprogrammiert. So wie im vorliegenden „Salvation Boulevard“: Jack Kinnear geht durchaus jederzeit als Ex-Deadhead (Fans der Gruppe Grateful Dead – musste ich nachschlagen, wollte es im Film nicht glauben) durch. Sein verzweifelter Gesichtsausdruck ist einfach zu herrlich wenn mal wieder alles gegen ihn läuft. Und als er denkt, es kommt nicht mehr schlimmer, kommt schon wieder was um die Ecke, um ihn eines Besseren zu belehren.

Jennifer Connely schaut irgendwie noch immer so aus wie vor 26 Jahren in Labyrinth. So lange ist das schon her …?
Nun gut, ganz so jung schaut sie dann doch nicht mehr aus. Schliesslich ist auch sie in diversen Rollen stetig gewachsen und hat sich charakterlich nach vorne entwickelt. Zumindest konnte sie schon einen Oscar und einen Golde Globe abräumen. Damals für den Film „A Beautiful Mind“ mit Russel Crowe an ihrer Seite. Die Frau kann auf jeden Fall was und muss sich nicht mehr beweisen. Da fällt ihr die Rolle als naive Glaubensdame, die Pastor Dan alles abnimmt und ihren Göttergatten so gut wie gar nicht beisteht, absolut leicht. Wie gesagt, mal naiv und folgsam, explodiert sie bei nächster Gelegenheit wenn es gegen ihren Glauben geht. Sahnestück.

So geht dieses Katz und Maus Spiel knappe 92 Minuten. Wobei schon nach ca. der Hälfte auch noch ein Hund in dieses Verwirrspiel um Gott, Glauben, höhere Werte und finanzielle Großprojekte eingreift. Um was genau es sich dabei handelt müsst Ihr schon selber rausfinden.

Wer’s glaubt, wird selig – Salvation Boulevard erscheint heute, 25. Mai 2012 zum Kaufen auf DVD.

Leider gibt es auf der vorliegenden DVD keinerlei Boni – das gibt natürlich Punktabzug! Da sollte sich der Verleiher etwas schämen.
Da hat der Film und die Story einfach zuviel hergegeben. Wie wäre es mit einem Vergleich zwischen der hervorragenden Romanvorlage von Larry Beinhart, der uns auch schon die Vorlage zu „Wag the Dog“ geliefert hat, würde hier als Bonus sehr viel Sinn machen. Aber noch nichtmal den Trailer auf die Disc zu packen … Junge, Junge, das stinkt mir ja!
Und warum zu Henker habe ich ein Image in meinen Presseunterlagen, welches so nicht im Film auftaucht? Ein Hinweis auf deleted scenes? Wenn ja, die fehlen auch irgendwie. Eine BluRay Disc erscheint derzeit übrigens nicht, scheint auch vorerst nicht geplant zu sein.

Ich für meinen Teil kann den Film für zwischendurch durchaus empfehlen.

Kurzweilige Unterhaltung, witzig anzusehen und lt. FSK Freigabe ab 12 Jahren. Ich glaube allerdings nicht, das ein 12jähriger den tieferen Sinn der Komik im Film und die unterschwellige Kritik an der amerikanischen Religionsvielfalt und -abhängigkeit so nachvollziehen kann wie ein Erwachsener. Da geht doch einiges an Witz für die Kleinen flöten, so dass diese den Film dann eher langweilig finden werden.

Ob man diesen in die Sammlung aufnehmen muss, ist allerdings dahin gestellt. Geschmäcker sind verschieden, das muss jeder für sich selber entscheiden. Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß bei dem Film, war genau das, was ich erwartet hatte:
Gute Unterhaltung mit viel Situationswitz. In meine Sammlung wandert diese Komödie aber nicht.

Viel Spaß damit.

Entertainment One on facebook

Fotocredits: Entertainment One


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.