Schlacht um Finnland – Tali-Ihantala 1944

Kriegsfilme gibt es wie Sand am Meer. Sei es der erste Weltkrieg, der zweite natürlich auch, Vietnam, Somaliakrieg, Irak, Afghanistan und so weiter …
Ich schau mir gerne Vietnamfilme an. Apocalypse Now, Platoon, natürlich Full Metal Jacket oder die Serie Tour of Duty stehen auf der Liste meiner All-Time Favorites.

Vor kurzem haben wir einen Film in die Redaktion bekommen, der sich von all diesen unterscheidet. Sowohl in der Machart, wie auch die Thematik. Hier geht es um der Krieg der Finnen gegen die Sowjetunion. Ich bin jetzt nicht so der Geschichts-Crack, so dass ich nicht wirklich Ahnung hatte was mich erwartet.

Schlacht um Finnland – Tali-Ihantala 1944

Es geht um den Gegenangriff der Finnen gegen die Sowjetunion im Juni/ Juli 1944.

Nachdem die  Deutsche Wehrmacht aus der Sowjetunion zurückgedrängt wurde, hatte die Rote Armee wieder die Oberhand und marschiert auf Finnland zu. Die Finnen setzten daraufhin alles auf eine Karte und bereiteten eine Großoffensive vor, um die Rote Armee am Eindringen ins finnische Kernland zu hindern.
Der vorliegende Film „Schlacht um Finnland – Tali-Ihantala 1944“ handelt von dieser Großoffensive in der Panzerdivision, Jägerbrigaden und die erste Panzerabwehrbataillon strategisch nach Tali-Ihantala vorrückt und die Rote Armee zurückschlagen will.

Dieser finnische Film entstand bereits im Jahr 2007 und hat es jetzt erst zu uns geschafft. In der Heimat wurde er bereits für diverse Filmpreise nominiert u.a. in der Kategorie „Bester Film“.

Schlacht um Finnland ist komplett anders, als einer der o.g. Filme. Dieser Film ist ein reiner Tatsachenbericht. Hier werden keine Charaktere aufgebaut mit denen man bangt und hofft. Hier werden nur die Männer hinter der Waffe oder im Panzer gezeigt. Schon mechanisch meldet sich der Erzähler mit dem nächsten Datum und der dazugehörigen Division zu Wort und leitet so den nächsten Abschnitt der Kriegsberichtserstattung ein. Unterstützt wird die Realitätsnähe mit diversen Dokumentationsmitschnitten zum Höhepunkt der Schlacht. Hier wird dem Zuschauer kein amerikanischer Patriotismus oder falscher Heldenmut vorgegaukelt. Hier ist alles echt und die Männer kämpfen ums nackte Überleben.

Regiesseur Ake Lindemann setzt hier auf die Hilfe von diversen Veteranen, um so nah wie möglich an den Geschehnissen zu sein. Das Making of der vorliegenden BluRay gibt hier einen sehr guten Einblick in die Entstehungsgeschichte des Films.
Die Darsteller konzentrieren sich voll und ganz auf die Darstellung ihrer Charaktere und bringen sich nicht in den Vordergrund. Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann bzw. mitfühlt sucht man bei diesem Tatsachenbericht eher vergebens.
Was mir auch noch nicht ganz klar ist: Der Film war u.a. für die beste Musik nominiert. Mir kam es häufig so vor als würde nur ein Musikstück gespielt werden – und das klingt leider eher nach GEMA-freier Musik. Aber gut, das ist mein persönliches Empfinden.

Der Film ist dem BluRay Format nicht wirklich angepasst. Starkes Rauschen und verwaschene bzw. blasse Farben zeugen eher davon eine DVD im Schacht zu haben und den Player auf die falschen Einstellungen gesetzt zu haben.
Mit einer Laufzeit von 112 Minuten, der deutschen und finnischen Sprachfassung, diversen Untertiteln, dem bereits angesprochenen Making of und einem Veteraneninterview ist die Ausstattung nicht gerade üppig aber auch nicht zu wenig. Da gab es in jüngster Vergangenheit schon Filme, die mit weniger Ausstattung kamen, als dieser hier. Vor allem Interview und Making Of sind bei diesem Film absolutes Muss. Die FSK hat hier eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt

Wer hier einen typischen Kriegsfilm mit viel Geballer, Explosionen und menschenunmöglichen Stunts erwartet, ist hier falsch. Hier sollte der Zuschauer definitiv nicht sein Gehirn ausschalten und sich berieseln lassen. Hier kann man doch noch einiges über die weniger bekannten Tatsachen aus dem Zweiten Weltkrieg lernen.

Mannster empfiehlt jedem Geschichtsbegeisterten „Die Schlacht um Finnland – Tali-Ihantala 1944“. Die DVD und BluRay sind bereits am 10. Juli 2012 erschienen.


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