Asiatische Kampfkunst und Ehre: The Sword Identity

In der letzten Woche erschien mit „Dark Stone“ ein neuer Wuxia-Film in unseren Händlerregalen, in dieser Woche gibt es den Film „The Sword Identity“!

Obwohl die Werbung uns verklickert ein weiteres MartialArts Feuerwerk in diesem Monat zu bekommen, ist „The Sword Identity“ so weit von den üblichen Wuxia- und den aktuell so beliebten MartialArts-Filmen im Stile des IpMan oder Tiger & Dragon entfernt, wie die Jungfrau vom Kinde – die Mutter von Jesus mal unbeachtet.

Aber alles der Reihe nach; hier die Story:
Die Stadt Guancheng während der Ming-Dynastie ist Heimat von vier großen Kampfkunstfamilien – alle bewahren auf ihre Art eine bestimmte Art der Kampfkunst und geben diese in ihren Schulen weiter. Der alten Tradition entsprechend, müssen alle Meister, die eine neue Kampfkunst etablieren wollen, alle vier großen Schulen im Kampf besiegen, bevor sie selber eine Schule eröffnen dürfen. Das Leben in der Stadt ist geprägt von Langeweile und ewig gleichen Show-Kämpfen der Schulen untereinander.

Das ändert sich schlagartig mit der Ankunft zweier Kämpfer die sich, ausgestattet mit besonderen Langschwertern, den Schulen entgegen stellen und sogar drei besiegen können. Erst die Schüler und der Meister der vierten Schule können den beiden Einhalt gebieten. Denn der Kampfstil und die Waffen der beiden Fremden ähneln denen der großen Piraten, die vor Jahren fast die Kontrolle über die Stadt gewonnen haben. Einer der Piraten kann gefangen genommen werden, doch der zweite verschanzt sich auf einem Boot der ortsansässigen Freudenmädchen. Die Ehre des Kampfes verbietet den Meistern die Erstürmung des Bootes und so macht sich ein Schüler nach dem anderen auf den Piraten zu überwältigen – aber niemand hat mit seiner überlegenen Kampfkunst gerechnet. Dem mysteriösen Schwertkämpfer sind derweil alle Mittel Recht, um seine Ziele zu erreichen. Selbst wenn das bedeutet, andere für sich kämpfen zu lassen. Denn er hat schon lange das Schiff wieder verlassen und treibt in der verlassenen Stadt sein Unwesen.

Uiuiui … als ich die wohlklingenden Marketingfakten zum Film gesehen habe, dachte ich wirklich ein MartialArts-Feuerwerk der alten Schule vor mir zu haben. Nun habe ich den Film gesehen und muss gestehen: ich bin überrascht. Also ich bin positiv überrascht, ist der Film doch so viel mehr, als das, was ich erwartet hatte!
Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich eher ein Anhänger der Wuxia-Filme bin aber bei diesem Werk haben wir eindeutig einen Wushu-Film erwischt. Hier geht es um die Realitätsnähe zur klassischen Kampfkunst, der damit verbundenen Ehre und der asiatischen Ehr-Erbietung aber vor allem auch den unzähligen Wegen des Kampfes zu zweit, schwach gegen stark, klein gegen groß. Also mit so einem Stoff hatte ich nicht gerechnet, bin aber froh diese Perle in den Händen zu halten.
Sicher, gerade die Freudenmädchen oder der Kommandant der Stadt sind mal wieder typisch asiatisch kitschig und übermässig komisch angesetzt aber gut, darüber kann ich hier wegsehen. Ansonsten ist der Film sehr ruhig und geht auf die Personen und ihre Beziehungen untereinander ein.
Was mir besonders gut gefallen hat: man sagt ja, in der asiatischen Kampfkunst gehen die Kämpfer den bevorstehenden Kampf in den Gedanken durch und können so schon vorhersehen wie der Kampf ausgehen wird. Dieser Film spielt mehr als einmal mit diesem Stilelement. Zuerst wirkt das sehr verwirrend, vor allem wenn verschiedene Kampfgeschehen „durchdacht“ werden. Wenn man das aber geschnallt hat, wirkt es spitzenmässig.

Die Ausstattung des Films ist auch eher als zeitgenössisch und realitätsnah anzusehen. Kleidungen und Stil sind er Epoche angepasst. Die Handlung spielt zwar nur an wenigen Orten, diese sind aber gut in Szene gesetzt worden. Alles in allem hat der Film eine Laufzeit von ca. 110 Minuten und ist mit einer FSK-Freigabe ab 12 Jahren versehen.
Ich denke allerdings, dass sich die kleinen Jungs (und Mädchen) bei diesem Film extrem langweilen werden, entspricht er doch so gar nicht den Seh-Gewohnheiten unserer Kleinen. Und alle großen Zuschauer die MartialArts wie in IpMan oder ähnlichen Filme sehen wollen, werden hier komplett enttäuscht sein! BITTE NICHT GUCKEN!
Aber alle Zuschauer, die ein bißchen was für asiatische Kampfkunst und diese, für Europäer befremdlich wirkende, Verehrung, Ehr-Kultur der Asiaten übrig haben, riskiert einen Blick – und schaut großzügig über die eine oder andere unfreiwillig komisch wirkende Szene weg und genießt die Wushu-Kunst.

Es gab mal ein Spiel für die PS one … das war ähnlich. Hatte ich mir damals als ultrateuren Japan-Import gekauft und kam wegen diesem Ehre und diesen wirklich strengen Kampfregeln einfach nicht über das erste Level hinaus. Mir fällt der Titel nicht mehr ein … sowieso nur eine Anekdote am Rand.

„The Sword Identity“ erscheint heute, dem 27.09.2012 auf BluRay und DVD!

Fotocredits: Universal

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